... nicht eine "Eskalation zwischen linker und rechter Gewalt".
Die Juso-Bundesvorsitzende Franziska Drohsel zum Überfall von Neonazis:
In Berlin-Friedrichshain ist in der Nacht von Samstag auf Sonntag ein 22-Jähriger von Neonazis lebensbedrohlich verletzt worden.
Die vier Faschisten hatten zunächst eine Auseinandersetzung mit einer Gruppe von Antifaschisten und suchten sich dann ein neues Opfer. Ein 22-Jähriger konnte nicht rechtzeitig flüchten und wurde von den Neonazis angegriffen. Nach Schlägen und Tritten verlor er das Bewusstsein und wurde von den Tätern auf den Gehweg gezerrt. Dort legten sie sein Gesicht nach unten und sprangen auf seinen Hinterkopf. Mit Hirnblutungen, Prellungen und Jochbeinbruch wurde er in die Notaufnahme eingeliefert.
Die öffentliche Debatte über diesen Vorfall ist bezeichnend. Statt der Solidarität mit dem Opfer wird der Extremismus-Diskurs bemüht. Die Eskalation der Gewalt zwischen Rechts und Links wird beklagt, obwohl alle wissen müssten, dass die teils eliminatorische Gewalt von den Rechten ausgeht. Wir wissen, wie schwer es ist, korrekte Statistiken über rechtsradikale Gewalttaten zu bekommen, da immer noch nur ein Bruchteil ihrer Verbrechen als rechtsradikal intendiert erfasst wird. Es bleibt dabei: Neonazis vertreten eine menschenverachtende Ideologie und handeln danach. Antifaschistinnen und Antifaschisten wollen, dass jeder Mensch in dieser Gesellschaft leben kann und deshalb engagieren sie sich gegen Nazis. Es muss endlich Schluss damit sein, dass einer rechtsextremer Tat die Interpretation folgt, dass dem Konflikte zwischen "rivalisierenden linken und rechten Gruppen" vorhergegangen sind. Neonazi-Angriffe gehören nicht als "Jugendgruppen-Auseinandersetzungen" verharmlost, sondern sind das, was sie sind: Menschenverachtende Angriffe. Und es ist notwendig, dass Menschen sich gegen diese Angriffe wehren, Zeichen der Solidarität setzen und deutlich machen, dass die Neonazis in dieser Gesellschaft nicht in der Mehrzahl sind.
Und dann wird in der bürgerlichen Presse (taz) auch noch der Betreiber der Diskothek Jeton zitiert, der sich gar nicht vorstellen kann, dass die Täter bei ihm gefeiert haben. Schließlich würden bei ihm auch "Türken und Fidschis" einkehren. Damit ist viel gesagt über den Zustand dieser Gesellschaft.
Der Angriff am Wochenende hätte uns alle treffen können, weil wir zur falschen Zeit an der falschen Stelle in Friedrichshain unterwegs gewesen wären, weil eine von uns Dreadlocks getragen und einer von uns einen Antifa-Button an seiner Tasche gehabt hätte. Jeden hätte es treffen können, der nicht deutsch, nicht weiß, nicht heterosexuell und nicht rechts aussieht.